voci lontane

#MUSIC

Platypus Ensemble

01.10.2021

19:30

Steven Scheschareg, Bariton
Ensemble Platypus

Arnold Schönberg | Ode to Napoleon

Peter Ablinger | ἀοιδή – Rede ohne Worte (UA, Auftragskomposition für das Ensemble Platypus)

Toshio Hosokawa | The Water of Lethe

Doina-Cezara Procopciuc | Black Rain (UA, Auftragskomposition für das Ensemble Platypus)


Die menschliche (tiefe) Stimme, als eine der flexibelsten Möglichkeiten klanglicher Gestaltung, steht im Mittelpunkt dieses Konzertes. Sie kann historisch kontextualisiert eingesetzt werden, wie es Arnold Schönberg in seiner Ode to Napoleon zeigte, sie kann als eine historische Klangquelle eingesetzt werden, welche neue Musik „produzieren“ kann, was das Ziel von Peter Ablinger bei seinem neuen Werk ist oder gar nur als Schattierung innerhalb einer instrumentalen Textur fungieren, wie es die junge Komponistin Doina-Cezara Procopciuc in ihrem Werk zeigt.

Schönberg orientierte sich in seiner Ode to Napoleon für die Gestaltung der Sprechstimme an Winston Churchill, von welchem er eine Rede im Radio gehört hatte. Sie zählt, ebenso wie sein späteres Werk A Survivor from Warsaw zu seinen politischen Werken und ist als Bekenntnis zur Demokratie und Ablehnung jedweder Tyrannei zu verstehen.

Ebenso wie Schönberg verwendet auch Peter Ablinger eine Rede on W. Churchill für eine neue "Quadratur". In seinem Werk ἀοιδή – Rede ohne Worte geben das Ensemble, der/die Solist*in und die Elektronik nur Momentaufnahmen aus dieser Aufnahme wieder, welche nicht nur die Stimme Churchills enthält, sondern unter anderem auch den Applaus des amerikanischen Parlaments. Dabei entsteht ein Dialog zwischen der Elektronik und den Instrumenten, welcher der Rede Churchills eine weitere Ebene hinzufügt.

Die moldawische Komponistin Doina-Cezara Procopciuc bedient sich in ihrem Werk Black Rain ausschließlich der gesprochenen Sprache, in welchem sie ein Haiku von Kobayashi Issa dekonstruiert. In den an den Klang von Regen erinnernden feingliedrigen Texturen sind immer wieder einzelne Fragmente des Haikus zu hören, welche von den Musiker*innen gesprochen werden. Gänzlich ohne menschliche Stimme kommt Toshio Hosokawas Quartett The Water of Lethe aus, bei welchem aber die instrumentalen Gesten häufig an menschliche Stimme angelehnt sind. Dabei spielen die jeweiligen Instrumente, ganz die meiste Zeit des Stückes über in einer für sie tieferen bis sehr tiefe Lage und verlassen diese nur an ganz speziellen dramaturgischen Punkten. In der Mythologie ist Lethe ein Fluss in der Unterwelt, von welchem die Seelen trinken, um ihre Erinnerungen zu verlieren, damit sie wiedergeboren werden können – eine Metapher der Erlösung, nach den sich mit Krieg und Tod beschäftigenden Werken Schönbergs und Ablingers.

Tickets | € 15,– / 10,–/ 20% Rabatt für Standard-Abonnenten

http://www.platypus.or.at/

(c) Foto: Maria Frodl

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