Repetitionen

#MUSIC

Platypus Ensemble

28.10.2021

19:30

Platypus Ensemble


Mit Werken von

Johann Sebastian Bach (DE)
Francesco Filidei (IT)
Michael Jarrell (CH)
Yann Maresz (FR)
Bernhard Lang (AT)
Arnold Schönberg (AT)
Helena Tulve (EST)
Mikel Urquiza (ESP)
Clara Wieck-Schumann (DE)
Mathias J. Schmidhammer (IT)

Tonwiederholungen sind ein Mittel, welchem sich die Komponist*innen der europäischen Musikgeschichte, als auch der zeitgenössischen Musik auf vielfältige Weise bedienten und dessen Bedeutung sich im historischen Kontext immer wieder wandelte. In diesem Programm möchten wir die unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten von Tonwiederholungen verschiedener Komponist*innen aufzeigen und neben der Darbietung zeitgenössischer Werke auch kleine Exkurse in die Musikgeschichte unternehmen.

In der Zeit des Barocks ha0e die Tonwiederholung keine eigene Identität – es gab keinen satztechnischen Unterschied zwischen ihr und einem ausgehaltenen Ton. Beispielhaft_ für diese Verwendung steht etwa das Andante aus der zweiten Sonate für Violine solo von Johann Sebastian Bach, welches in diesem Programm erklingen soll. Auch in der Romantik hatte die Tonwiederholung keine eigenständige Funktion, wurde jedoch zunehmend als expressives Mittel eingesetzt, wie in der Sonate in g-Moll von Clara Wieck-Schumann. Ein entscheidender Umbruch fand statt, als Arnold Schönberg seine Zwölftontechnik entwickelte. Hier nahm die Tonwiederholung zum ersten Mal eine Sonderstellung ein, als eine Ausnahme der Regel: So war die direkte Tonwiederholung die einzig erlaubte Möglichkeit einen Ton ein oder mehrmals hintereinander wiederzugeben, ohne dass in der Zwischenzeit alle anderen zwölf Töne erklungen sein mussten. Dies zeigt sich sehr deutlich in der Suite für Klavier op. 25 – Schönbergs erstem Stück in der Zwölftontechnik – deren Präludium in diesem Programm ebenfalls gespielt werden soll.

In der Phase der seriellen Komposition versuchten viele Komponist*innen Wege zu finden, aus der Gleichberechtigung aller Töne innerhalb einer Zwölftonreihe auszubrechen und harmonische Hierarchien fernab der tonalen Musik zu etablieren. Die Tonwiederholung wurde hier als Mittel eingesetzt ein oder mehrere Töne anderen Tönen durch ihre Wiederholung zu bevorzugen. Diese Behandlung findet sich hier in dem Stück Air von Luciano Berio.

Doch auch weit danach lässt sich die harmonische Behandlung der Tonwiederholung finden: Michael Jarrell und Marco Stroppa nutzen diese Technik zum einen, um harmonische Hierarchien zu etablieren, zum anderen nutzen sie aber auch die gestische Energie, welcher einer Tonwiederholung innewohnt, um eine teils fast manische Klangwelt zu erzeugen. In ähnlicher Weise fungiert die Tonwiederholung Helena Tulves Rimlands, in welchem sie sowohl harmonische Funktion übernimmt als auch Gesten unterstützt oder zusammenführt.

Eine vollständige Emanzipation erlangt die Tonwiederholung in den Tre bagatelle des italienische Komponisten Francesco Filidei, in welchem sie völlig frei als eigenständige musikalische Geste auftritt, ohne an harmonische oder hierarchische Zwänge gebunden zu sein.

Den energetischen Höhepunkt des Programms bildet Echoes In Space.loops von Berhard Lang, in welchem er nicht nur mit der Wiederholung von Tonhöhen, sondern mit der Wiederholung ganzer musikalischer Gedanken arbeitet, was durch den extremen Einsatz dieser Technik in einer fast wahnhaften Tonsprache mündet.

Außerdem wird in diesem Programm eine Uraufführung des jungen Komponisten Mathias J. Schmidhammer erklingen, an welchen ein Kompositionsauftrag vergeben wird.


Tickets | € 15,– / 10,–/ 20% Rabatt für Standard-Abonnenten

http://www.platypus.or.at/

(c) Foto: Maria Frodl


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